Wie entsteht die Endometriose?
Obwohl die Krankheit schon vor mehr als 400 Jahren erstmals beschrieben wurde, weiss man über die genaue Ursache immer noch wenig. Eine wichtige Rolle spielt wahrscheinlich die retrograde Menstruation. Dabei fliesst das Regelblut mit Zellen des Endometriums nicht nur durch die Vagina ab, sondern auch rückwärts durch die offenen Eileiter in den Bauchraum.
Das passiert allerdings bei bis zu 90 % der Frauen, vor allem bei einer starken Blutung. Warum aus diesen in die Bauchhöhle eingeschwemmten Endometriumzellen bei 10-15 % Endometriose entsteht, ist noch immer nicht ganz klar. Das Immunsystem spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Eine spezielle Form der Endometriose ist die Adenomyose: Die Gewebsherde liegen in der Muskelschicht der Gebärmutter und können ebenfalls Beschwerden verursachen. Eine Kombination beider Erkrankungen ist häufig.
Was sind die Risikofaktoren?
Der Hauptrisikofaktor ist die Menstruation selbst. Frauen mit früher erster Periode oder später Menopause haben ein erhöhtes Risiko. Ein kurzer Zyklus < 26 Tagen, verstärkte und verlängerte Blutungen > 7 Tagen sind wichtige Faktoren. Auch Operationen an der Gebärmutter, Übergewicht und eine späte erste Schwangerschaft spielen eine Rolle.
Endometriose, vor allem die schwere Form, ist auch familiär gehäuft, bei Töchtern und Schwestern der Betroffenen. Ein eigentliches Endometriose-Gen ist aber nicht bekannt.
Was sind typische Beschwerden, Symptome?
- Schmerzen bei der Periodenblutung (Dysmenorrhoe)
- Unspezifische Bauchschmerzen, Blähungen, der sogenannte «Endobelly»
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
- Verlängerte und verstärkte Blutungen, Schmerzen beim Stuhlgang, Obstipation
- Schmerzen beim Wasserlösen
- Unerfüllter Kinderwunsch
Nicht alle Endometriosepatientinnen sind in gleichem Masse von den typischen Symptomen betroffen. Es gibt auch Frauen mit ausgeprägter Endometriose ohne die geringsten Beschwerden, was die Diagnosestellung erschweren kann. Und manchmal entdecken wir die Endometriose zufällig im Ultraschall oder bei einer Operation. Oder erst dann, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.
Was passiert mit der Endometriose im Zyklus? Bei der Periodenblutung?
Während des Menstruationszyklus verhalten sich Endometrioseherde im Bauchraum ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut (= Endometrium).
Warum kommt es bei Endometriose zu Schmerzen?
- Entzündung: Die Endometrioseherde reagieren auf die Hormone des Menstruationszykus mit Verdickung, Umbau und Einblutung. Das kann zu schmerzhaften Entzündungsreaktionen führen.
- Verwachsungen und Vernarbungen: Endometrioseherde setzen sich fest und verkleben mit ihrer Umgebung. Das kann zu Verwachsungen (Adhäsionen) zwischen Bauchorganen führen, beispielsweise zwischen Darm, Eierstöcken, der Blase und der Gebärmutter. Dies kann Schmerzen verursachen, wenn sich die Organe - auch abhängig vom hormonellen Zyklus - bewegen.
- Reizung von Nerven: Das Endometriumgewebe am falschen Ort kann umgebende Nervenfasern reizen, was zu Schmerzen im Unterbauch führt, typischerweise mit Ausstrahlung in Rücken, Beine oder Schulter.
- Immer wiederkehrende und chronische Schmerzen belasten das allgemeine Wohlbefinden und die Psyche, denn der Körper hat ein Schmerzgedächtnis! Da die Endometriose häufig lange nicht erkannt wird und eine chronische Erkrankung darstellt, bleibt der Schmerz eingebrannt in die Erinnerung, nicht selten auch nach einer erfolgreichen Endometrioseoperation.
Wie wird eine Endometriose diagnostiziert?
- Die richtigen Fragen stellen: Die Anamnese kann wichtige Hinweise auf typische oder weniger typische Symptome zeigen.
- Bei der frauenärztlichen Untersuchung können von der Vagina her Druckschmerzpunkte, grössere Knoten und Eierstockzysten ertastet werden.
- Der vaginale Ultraschall ist dabei eine wesentliche Unterstützung. In Zukunft könnte die künstliche Intelligenz KI die Ultraschalldiagnostik optimieren.
- Wichtig zu wissen: Eine Endometriose auf dem Bauchfell (peritoneale Endometriose) kann vorhanden sein und Schmerzen machen, auch wenn sie im Ultraschall nicht sichtbar ist. Ob eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) in dieser Situation sinnvoll wäre, klärt Ihre Ärztin/Ihr Arzt mit Ihnen. Meistens steht aber eine Schmerztherapie oder die Kinderwunschbehandlung im Vordergrund.
Manchmal dauert es Jahre bis zur Diagnosestellung mit Besuchen bei den verschiedensten Ärzten von der Gynäkologin, dem Hausarzt bis zur Psychiaterin.
Wie werden Endometrioseschmerzen behandelt?
Wenn kein Kinderwunsch besteht, geht es in erster Linie darum, die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Leider ist Endometriose eine chronische Erkrankung, die immer wieder kommen kann, solange das Hormon Östrogen den weiblichen Organismus prägt. Endometriose trifft Frauen zwischen der ersten Regelblutung und der Menopause.
- Schmerzmittel: einzeln oder in Kombination. Ihre Ärztin/Ihr Arzt berät Sie.
- Hormone: Endometriose ist eine Krankheit, die vom Hormon Östrogen abhängig ist. Ziel ist deshalb die Senkung des Östrogenspiegels, und die Reduktion des Östrogen-Effektes auf die Endometrioseherde. Meistens wird dadurch auch die schmerzhafte Menstruation unterdrückt.
- Operation: meistens mit hormoneller Nachbehandlung, weil das Rezidivrisiko sonst hoch ist.
- Und ausserdem: wiederkehrende oder chronische Schmerzen schränken die Lebensqualität ein. Ernährungsberatung, Physiotherapie, Akupunktur, eine Selbsthilfegruppe oder eine psychotherapeutische Unterstützung können helfen und entlasten. Wir beraten Sie gerne.
Endometriose: Wieviel Zeit bleibt für den späteren Kinderwunsch?
Die Krankheit betrifft auch sehr junge Frauen, bei denen die Gründung einer Familie vielleicht irgendwo in der Zukunft liegt. Wichtig zu wissen: ein grosser Teil der Frauen wird problemlos schwanger, braucht also eine Empfängnisverhütung bis der Kinderwunsch aktuell wird. Dafür eignen sich Hormone (Pille, Spirale, Stäbchen), die gleichzeitig den Östrogenspiegel senken und damit zudem die Endometriose unterdrücken.
Es ist unbestritten, dass grosse Endometriosezysten das gesunde Eierstockgewebe verdrängen und damit die Substanz verkleinern können. Auch operative Zystenentfernungen gehen auf Kosten der Eierstockreserve, vor allem wenn beidseitige oder wiederholte Eingriffe nötig sind.
Bei jeder Operation wird der Schweregrad der Endometriose in Stadien eingeteilt. Zusätzlich wird mit dem Endometriosis Fertility Index = EFI die Funktion von Eileitern und Eierstöcken in Kombination mit Faktoren aus der Krankengeschichte wie Alter der Frau, Sterilitätsdauer etc. beurteilt. Damit kann eine Prognose für die Fruchtbarkeit erstellt werden, die bei der Entscheidung hilft, wie rasch eine Kinderwunschtherapie gestartet werden sollte.
Eine schwere Endometriose kann die Eierstockreserve reduzieren. Das heisst, es bleibt weniger Zeit zur Erfüllung des Kinderwunsches. Wenn Ihre Lebenssituation noch keinen Raum für ein Baby hat, ist es vielleicht ratsam, Eizellen einzufrieren, um eine Reserve für später zu haben. Wir sprechen von Social Freezing (link Blog) und beraten Sie gerne.
Endometriose und Kinderwunsch: eine spezielle Herausforderung
Frauen mit bekannter Endometriose sollten nicht allzu lange mit einer Abklärung warten, wenn die gewünschte Schwangerschaft nicht rasch und problemlos eintritt. Und nicht selten wird die Diagnose erst im Kinderwunschzentrum gestellt, als Hauptgrund oder Zusatzfaktor. Glücklicherweise geht der Wunsch mit einer - individuell für Sie und mit Ihnen geplanten - Behandlung sehr häufig in Erfüllung.