Hormonelle Stimulation – Wie läuft das ab?


Eine niedrig dosierte hormonelle Stimulation ist in vielen Fällen der erste Schritt einer Behandlung. Sie unterstützt den Körper dabei, natürliche Prozesse anzuregen – individuell angepasst und unter sorgfältiger ärztlicher Begleitung.

Wie läuft die Behandlung ab?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit einer Therapie in Form von Tabletten oder Spritzen.

Tablettentherapie (Letrozol oder Clomifen)

Diese Möglichkeit ist für die Patientin am einfachsten und am wenigsten belastend. Während fünf Tagen (z. B.: 3.-7. Zyklustag) werden Tabletten eingenommen, welche die körpereigene Produktion von follikelstimulierendem Hormon (FSH) anregen und damit Eibläschen wachsen lassen. Das Wachstum und die Anzahl der Follikel wird mit einer Ultraschalluntersuchung überwacht. So kann der günstigste Zeitpunkt für die Empfängnis ermittelt werden. Meistens reicht ein Ultraschalltermin. Manchmal ist es sinnvoll, den Eisprung zusätzlich mit einer Spritze unter die Haut auszulösen (HCG). Eventuell wird die Gelbkörperphase mit Progesteron unterstützt, um die Einnistungschancen in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) zu optimieren.

Vorteile:

  • Die Tablettentherapie ist für Sie als Patientin einfach und wenig belastend.
  • Keine (oder maximal eine) Spritze, wenige Termine, tiefe Kosten.
  • Sehr kleines Mehrlingsrisiko, wenig Nebenwirkungen.
  • Es sind keine gesundheitlichen Spätfolgen bekannt.

Nachteile:

  • Ein Teil der Patientinnen reagiert nicht auf die Tabletten, es wachsen keine Follikel!
  • Medikamentenkosten werden von Krankenkassen nicht übernommen, das Zyklusmonitoring aber schon.

Spritzentherapie (Gonadotropine)

Dabei wird follikelstimulierendes Hormon (FSH) subkutan (also unter die Haut des Oberschenkels oder Bauches) gespritzt. Es ergänzt das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) produzierte FSH oder kann dieses ersetzen, falls gar kein FSH produziert werden kann. Das Hormon wird sehr vorsichtig dosiert und soll genau ein Eibläschen (Follikel) zum Reifen bringen. Mit dem Follikelwachstum  wird auch die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auf die Einnistung vorbereitet und die natürliche Produktion des Gelbkörperhormones (Progesteron) in der zweiten Zyklushälfte stimuliert. Der natürliche Zyklus kann so ersetzt oder optimiert werden.

Durch die Ultraschalluntersuchungen überwachen wir die Reifungsprozesse und können Ihnen so die fruchtbarsten Tage genau benennen.

Was kommt auf mich zu?

  • Am 2./3. Blutungstag kontrollieren wir im Ultraschall, ob Sie startbereit sind (d.h. keine Eierstockzysten oder andere Veränderungen).Kurzfristige Termine sind bei uns möglich. Am gleichen Abend wird mit den Stimulationsspritzen begonnen, denn leider kann man FSH nicht schlucken.
  • FSH wird täglich unter die Haut des Bauches oder Oberschenkels gespritzt. Sie können sich die Medikamente selbst spritzen, oder eine andere Person kann das übernehmen. Es ist ganz einfach, kostet am Anfang aber etwas Überwindung. Falsch machen können Sie dabei nichts! Unsere medizinischen Praxisassistentinnen instruieren Sie genau vor Therapiebeginn und Sie können jederzeit rückfragen.
  • Nach einer knappen Woche erfolgt meist die erste Ultraschallkontrolle. Wir messen dabei Anzahl und Grösse der Follikel und den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Eventuell ergänzt eine Hormonbestimmung im Blut die Untersuchung. Falls das Bläschen noch zu klein ist, spritzen Sie weiter und wir kontrollieren einige Tage später nochmals. Ein reifer Follikel misst kurz vor dem Eisprung ca. 16-20mm. Eine letzte Spritze unter die Haut (HCG) löst den Eisprung aus und hilft Ihnen, die fruchtbarste Zeit zu finden. Meistens braucht es keine weitere medikamentöse Unterstützung. Wichtig ist aber, dass Sie Vitamine, Folsäure und andere Medikamente, die Sie normalerweise brauchen, regelmässig weiternehmen.

Wie sieht es mit Nebenwirkungen und Risiken aus?

  • Seltene Nebenwirkungen sind ein Spannungsgefühl im Bauch, Stimmungsschwankungen oder Kopfschmerzen.
  • Mehrlingsschwangerschaften sollen durch die vorsichtige Dosierung und das sorgfältige Ultraschallmonitoring unbedingt vermieden werden. Schon zwei grosse Eibläschen könnten zu einer Zwillingsschwangerschaft führen, was nicht beabsichtigt ist.
  • Eine Überstimulation (OHSS), die auch einen Stimulationsabbruch nötig machen könnte, ist zum Glück sehr selten.
  • Es sind keine gesundheitlichen Spätfolgen bekannt.

Wichtig zu wissen:

Die Dauer der Spritzentherapie ist individuell sehr verschieden. Vielleicht sind Sie beim ersten Ultraschall schon so weit, es kann aber auch deutlich länger dauern. Gerade beim PCOS, sind Spritzentherapien über 2-4 Wochen nicht selten. Die Geduld wird dann aber doch oft mit einem positiven Schwangerschaftstest belohnt.

Wer bezahlt die Kosten?

  • Abklärungen und hormonelle Stimulationen werden bis zu einem Alter der Frau von ca. 40 Jahren in der Regel von der Grundversicherung übernommen. Darin eingeschlossen sind auch drei Stimulationen für Inseminationen (IUI).
  • Eine Kostengutsprache der Krankenkasse ist erforderlich und wir beantragen diese gerne für Sie.
  • Die Medikamente Clomifen und Letrozol sind leider nicht kassenpflichtig.

Was ist zudem wichtig?

  • Während der Therapie können Sie Ihr gewohntes Leben weiterführen. Es gibt keine Einschränkungen der Alltagsaktivitäten.
  • Ausgewogene Ernährung, Bewegung und ausreichender Schlaf können unterstützend wirken.
  • Verzichten Sie wenn möglich auf Alkohol, Nikotin und andere Suchtmittel.
  • Lassen Sie es uns wissen, wenn die psychologische Belastung für Sie – auch als Paar - zu gross wird und Sie Unterstützung brauchen.

Autor: Dr. med. Gabriele Rauscher

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